{"id":967,"date":"2020-12-26T19:03:45","date_gmt":"2020-12-26T19:03:45","guid":{"rendered":"http:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/?page_id=967"},"modified":"2025-12-28T06:17:02","modified_gmt":"2025-12-28T06:17:02","slug":"weihnachtsbotschaften-von-stephan-ackermann-bischof-von-trier","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/?page_id=967","title":{"rendered":"Weihnachtsbotschaft von Stephan Ackermann, Bischof von Trier"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"791\" src=\"http:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-12-24-Trier-Dom-Kreuzgang-1024x791.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-968\" style=\"aspect-ratio:1.2945693911135492;width:346px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-12-24-Trier-Dom-Kreuzgang-1024x791.jpg 1024w, https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-12-24-Trier-Dom-Kreuzgang-300x232.jpg 300w, https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-12-24-Trier-Dom-Kreuzgang-768x593.jpg 768w, https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-12-24-Trier-Dom-Kreuzgang-1536x1186.jpg 1536w, https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-12-24-Trier-Dom-Kreuzgang.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\"><strong>Weihnachten, 2025<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Vor kurzem stie\u00df ich auf einen Zeitungsbeitrag, der dem Ph\u00e4nomen des Staunens gewidmet war (DIE ZEIT Nr. 54\/ 17. Dezember 2025, S. 27f). Darin gab die Autorin zu, dass sie mit einem gewissen Neid auf Kinder blicke und deren F\u00e4higkeit, staunen. Wir Erwachsene, so die Autorin, h\u00e4tten das Staunen doch weithin<br>verlernt. Wir seien es gewohnt, f\u00fcr die Ph\u00e4nomene, die uns begegnen, rationale Erkl\u00e4rungen zu suchen. Das sei nat\u00fcrlich vern\u00fcnftig, mache die Welt irgendwie aber auch trister. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Bereits seit mehr als 20 Jahren, so der Beitrag, gibt es ernstzunehmende Forscherinnen und Forscher (etwa in Berkley in den USA oder in Amsterdam), die sich mit dem Ph\u00e4nomen des Staunens besch\u00e4ftigten. Die Untersuchungen h\u00e4tten festgestellt, dass das Staunen nicht nur ein angenehmes Gef\u00fchl sei, sondern auch dazu beitrage, \u201eSchmerzen zu lindern, die Schlafqualit\u00e4t zu verbessern, \u00c4ngsten und Depressionen vorzubeugen\u201c. Mehr noch: Versuche mit Kindern und Jugendlichen h\u00e4tten gezeigt, dass Staunen Menschen sogar gro\u00dfz\u00fcgiger und hilfsbereiter mache. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Eigentlich ist der Befund nicht verwunderlich. Schon die Geschichte des biblischen Glaubens ist voll von Beispielen, in denen Menschen ins Staunen geraten. Und oft verbindet sich gerade damit die Erfahrung ihrer Berufung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Denken wir an Abraham, den Gott hinausf\u00fchrt unter den n\u00e4chtlichen Sternenhimmel (Gen 15,5f). Im Staunen \u00fcber die gewaltige Gr\u00f6\u00dfe des Himmels und die Unzahl an Sternen sp\u00fcrt Abraham, dass er mit seinem Glauben an entscheidender Stelle stehen wird f\u00fcr unz\u00e4hlige Menschen nach ihm. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">F\u00fcr Mose wird die staunenswerte Erscheinung des Dornbuschs, der brennt, aber nicht verbrennt, zum entscheidenden Erlebnis daf\u00fcr, dass er den Auftrag Gottes annimmt, die Israeliten aus der Knechtschaft des Pharao zu befreien (Ex 3f). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Und wie oft entf\u00e4hrt den Psalmbetern der Ausruf: Herr, wie staunenswert sind deine Werke! (vgl. etwa Ps 139,15\/ Weish 19,8) Dabei denken die Betenden sowohl an die Werke der Sch\u00f6pfung, die sie zum Staunen bringen, als auch an die Erfahrung der Befreiung aus der Hand ihrer Feinde (vgl. Ps 18,4; 56,14; 116,8). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Die ersten, die in der Heiligen Nacht ins Staunen geraten, sind die Hirten. Auch ihnen verschl\u00e4gt es den Atem angesichts dessen, was da am Nachthimmel sichtbar wird: Der Himmel \u00fcber ihnen bleibt nicht eine dunkle Decke, sondern er spricht zu ihnen, ja, er beginnt zu singen in der Schar der Engel, die die Hirten aufmerksam machen auf das Kind in Bethlehem. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Wie viele andere Gestalten der Bibel m\u00fcssen die Hirten zun\u00e4chst beruhigt werden: F\u00fcrchtet euch nicht!, sagt der Engel. \u201eStaunen\u201c, so sagen die Wissenschaftler, ist n\u00e4mlich \u201edas Gef\u00fchl, ganz eingenommen und \u00fcberw\u00e4ltigt zu sein \u2013 weil etwas so neu, so unerwartet, so gro\u00dfartig ist.\u201c Aber im Unterschied zu dem, was uns erschreckt, fl\u00f6\u00dft das Staunen keine Angst ein, h\u00f6chstens Ehrfurcht. Dies sprechen die Engel an, wenn sie sagen: F\u00fcrchtet euch nicht! Staunen meint eine Begeisterung und eine Bewunderung, die weit \u00fcber ein schlichtes Sich-Wundern hinausgeht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Wenn das so ist, liebe Schwestern und Br\u00fcder, \u2013 und wir k\u00f6nnen das durch unsere eigene Erfahrung best\u00e4tigen \u2013 dann gilt es, die F\u00e4higkeit zu staunen, nicht zu verlieren, vielleicht sie sogar wieder neu zu lernen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Denn echtes Staunen ist ein wichtiges Gegenmittel gegen das, was uns oft genug im Alltag, \u00fcberkommt: Erschrecken. Die Verfasserin des Zeitungsartikels hat Recht: Das Staunen haben wir weithin verlernt, aber im Erschrecken lernen wir doch jeden Tag hinzu. Mir jedenfalls geht es so. Dabei denke ich an das Erschrecken,<br>&#8211;  \u00fcber den Hass, den Menschen Anderen gegen\u00fcber empfinden;<br>&#8211;  \u00fcber die immer neuen Grausamkeiten, die Menschen anderen Menschen antun;<br>&#8211;  \u00fcber die Unverfrorenheit, mit der heutzutage Fake-News und L\u00fcgen verbreitet werden;<br>&#8211;  \u00fcber die unverhohlene Bereitschaft, Menschen in den digitalen Netzwerken mit H\u00e4me und Spott zu \u00fcberziehen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Ich will mich, ehrlich gesagt, nicht daran gew\u00f6hnen und denke: Gibt es denn da eigentlich keine Grenze? Staunen ist demgegen\u00fcber eine positive Gegenkraft. Ihre Wirkung f\u00fchrt dazu \u2013 auch das haben die Forschungen ergeben \u2013, dass das Ego kleiner wird, der Mensch sich f\u00fcr eine Zeit selbst vergessen kann und offener wird f\u00fcr das gro\u00dfe Ganze. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder, Weihnachten l\u00e4dt uns zum Staunen in diesem Sinn ein. Aber, Weihnachten tut dies auf ganz eigene Weise: Da ist zwar das ehrfurchtsvolle Staunen der Hirten, das in der Tradition des Staunens in der Bibel steht: Menschen werden von der Gr\u00f6\u00dfe der Gottesbegegnung \u00fcbermannt und m\u00fcssen von Gott selbst beruhigt werden. Doch nachdem die Engel in den Himmel zur\u00fcckgekehrt sind (Lk 2,15), wird es wieder still um die Hirten. Da ist nur noch das freie Feld und der vertraute Nachthimmel. Und auch im Stall von Bethlehem zeigt sich keine besondere Erscheinung, kein spektakul\u00e4rer<br>Himmelschor, sondern nur Maria und Josef und das Neugeborene in der Krippe.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Gerade so will Weihnachten uns in Staunen versetzen: Um uns seine N\u00e4he und Liebe zu zeigen, w\u00e4hlt Gott das, was zigtausend Mal jeden Tag auf unserer Erde vorkommt und was doch zum gr\u00f6\u00dften Wunder geh\u00f6rt, das wir kennen: Die Geburt eines Menschen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Was gibt es Staunenswerteres als ein neugeborenes Menschenkind? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Selbst Mensch zu werden unter uns Menschen, das ist die h\u00f6chste, die ultimative Weise, wie Gott sich uns offenbart. \u2013 Da muss man erst einmal darauf kommen! <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">An Weihnachten will Gott uns nicht durch spektakul\u00e4re Aktionen zum Staunen bringen, sondern durch das ebenso schlichte wie atemberaubende Wunder der Geburt eines Kindes. Das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt (Lk 2,15), so sagt der Engel zu den Hirten. Gott \u00fcberw\u00e4ltigt nicht, sondern er gibt Zeichen. Das Zeichen schlechthin ist Jesus. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Wer dieses Zeichen zu lesen versteht, der erkennt in ihm das \u201eWort\u201c, das \u201evon Anfang an war\u201c und \u201edas Gott war\u201c und in dem Licht und Leben sind und die Wahrheit. (Joh 1,1ff) Diese Wahrheit geh\u00f6rt nicht zu den Wahrheiten, die uns erschrecken und entt\u00e4uschen. Nein, die Botschaft von Weihnachten ist die Wahrheit, die uns immer wieder neu zum Staunen bringen kann. Denn sie spricht von Gottes unendlicher Liebe zu dieser Welt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Verlernen wir also nicht das Staunen \u00fcber die Zeichen, die Gott in dieser Welt ausstreut! Je mehr Menschen sich dieses Staunen bewahren, umso mehr w\u00e4chst die Chance, dass Weihnachten nicht blo\u00df ein gef\u00fchlvolles Fest bleibt, sondern sich sp\u00fcrbar-positiv in unserem Alltag auswirkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachten, 2025 Vor kurzem stie\u00df ich auf einen Zeitungsbeitrag, der dem Ph\u00e4nomen des Staunens gewidmet war (DIE ZEIT Nr. 54\/ 17. Dezember 2025, S. 27f). Darin gab die Autorin zu, dass sie mit einem gewissen Neid auf Kinder blicke und deren F\u00e4higkeit, staunen. Wir Erwachsene, so die Autorin, h\u00e4tten das Staunen doch weithinverlernt. Wir seien es gewohnt, f\u00fcr die Ph\u00e4nomene, die uns begegnen, rationale Erkl\u00e4rungen zu suchen. Das sei nat\u00fcrlich vern\u00fcnftig, mache die Welt irgendwie aber auch trister. Bereits seit mehr als 20 Jahren, so der Beitrag, gibt es ernstzunehmende Forscherinnen und Forscher (etwa in Berkley in den USA oder in Amsterdam), die sich mit dem Ph\u00e4nomen des Staunens besch\u00e4ftigten. Die Untersuchungen h\u00e4tten festgestellt, dass <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/?page_id=967\"><span class=\"screen-reader-text\">  Weihnachtsbotschaft von Stephan Ackermann, Bischof von Trier<\/span> weiterlesen<span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":405,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-967","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/967","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=967"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/967\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5283,"href":"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/967\/revisions\/5283"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/405"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=967"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}