{"id":1281,"date":"2021-04-11T07:04:37","date_gmt":"2021-04-11T07:04:37","guid":{"rendered":"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/?page_id=1281"},"modified":"2026-04-06T17:22:44","modified_gmt":"2026-04-06T17:22:44","slug":"osterbotschaft-von-stephan-ackermann-bischof-von-tier","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/?page_id=1281","title":{"rendered":"Osterbotschaft von Stephan Ackermann, Bischof von Trier"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:23px\"><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"791\" src=\"http:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-12-24-Trier-Dom-Kreuzgang-1024x791.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-968\" style=\"width:361px;height:278px\" srcset=\"https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-12-24-Trier-Dom-Kreuzgang-1024x791.jpg 1024w, https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-12-24-Trier-Dom-Kreuzgang-300x232.jpg 300w, https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-12-24-Trier-Dom-Kreuzgang-768x593.jpg 768w, https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-12-24-Trier-Dom-Kreuzgang-1536x1186.jpg 1536w, https:\/\/kirche-in-mayschoss.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/2020-12-24-Trier-Dom-Kreuzgang.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\"><strong>Osternacht, 5. April 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Die Osternacht ist eine einzigartige Feier. Sie verliert, so oft man sie auch feiert, nichts von ihrer Faszination. Woran liegt das? Ich glaube, es liegt daran, dass uns diese Nachtfeier auf eine sehr eindr\u00fcckliche Weise in Ber\u00fchrung bringt mit elementaren Dimensionen unseres Lebens: Mit Licht und Dunkelheit, mit Musik, Gesang und Stille, mit Feuer und Wasser, mit Brot und Wein \u2026 Uns Menschen des digitalen Zeitalters tut es gut, uns diesen urt\u00fcmlichen Elementen hin und wieder ganz bewusst auszusetzen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Zum Ereignis dieser Nacht geh\u00f6ren auch ganz wesentlich die biblischen Lesungen, die wir h\u00f6ren. Auch f\u00fcr die Lesungen gilt: Es sind Texte, die sich \u00fcber die Jahrtausende nicht abgenutzt haben. So oft man sie auch h\u00f6rt, ber\u00fchren sie einen. Das liegt nicht nur an ihrer gro\u00dfen sprachlichen Kraft, an ihren poetischen Formulierungen, sondern wir sp\u00fcren, dass in diesen Texten Urfragen des Menschseins zu Wort kommen. M\u00f6gen die Lesungen auch von Ereignissen berichten, die in unvordenklicher Zeit geschehen sind, so haben sie doch nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Schauen wir die Lesungen unter diesem Gesichtspunkt etwas n\u00e4her an: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Es beginnt mit der Erschaffung der Welt: Es wurde Abend, es wurde Morgen, ein Sch\u00f6pfungstag \u2026 Mit diesem Refrain beschreibt die Erz\u00e4hlung der Genesis die Vielfalt und wunderbare Ordnung der Sch\u00f6pfung. Zugleich erinnert uns die Erz\u00e4hlung an die gewaltigen Dimensionen der Sch\u00f6pfung, von denen wir umgeben sind und an die Kr\u00e4fte, die in ihr wirken. Sie bringen uns nicht nur zum Staunen, sondern sind oft auch furchteinfl\u00f6\u00dfend. Und: Als Menschen des 21. Jahrhunderts k\u00f6nnen wir diese 1. Lesung nicht h\u00f6ren, ohne an die Verantwortung zu denken, die wir f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung haben, damit Gottes \u201egutes\u201c, ja \u201esehr gutes\u201c Werk erhalten bleibt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Die zweite Lesung, die dem Buch Exodus entnommen ist, f\u00fchrt uns zu einem (wenn nicht gar dem) zentralen Ereignis am Ursprung Israels. Es ist die ebenso \u00fcberraschende wie begl\u00fcckende Erfahrung der Befreiung aus Sklaverei und Knechtschaft. Die Erz\u00e4hlung ist nicht nur ein Schl\u00fcsseltext des Volkes Israel, sie ist l\u00e4ngst zu einer Symbolgeschichte der Menschheit geworden: Hier geht es nicht nur um den Pharao von damals, sondern um die Pharaonen aller Zeiten, die Diktatoren und Tyrannen, die Menschen unterdr\u00fccken. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Die Lesung aus dem Buch Exodus spricht also auch von unserer Zeit, von der Sehnsucht unz\u00e4hliger Menschen nach Freiheit, Gleichberechtigung und einem Leben in W\u00fcrde. Eine Studie besagt, dass<br>aktuell 72 Prozent der Menschheit in autokratischen Systemen lebt. Sage einer, die Erz\u00e4hlung vom Roten Meer sei ein M\u00e4rchen aus uralter Zeit \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\"><br>Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht n\u00e4hrt, und mit dem Lohn eurer M\u00fchen, was euch nicht satt macht? (Jes 55,2) Treffender als der Prophet Jesaja in der 3. Lesung kann man die Frage nach dem Sinn des Lebens nicht auf den Punkt bringen. Aber Jesaja wei\u00df, dass kritische R\u00fcckfragen nicht nur an die Menschen zu stellen sind. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist oft genug auch eine<br>Anfrage an Gott. F\u00fcr Jesaja hei\u00dft dessen Antwort: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege \u2013 Spruch des Herrn. So hoch der Himmel \u00fcber der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege \u00fcber eure Wege und meine Gedanken \u00fcber eure Gedanken. (Jes 55,8) <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Und schlie\u00dflich \u2013 so haben wir aus dem Mund des Propheten Ezechiel geh\u00f6rt \u2013 sprechen die Lesungen von der Sehnsucht nach einem neuen Anfang. Wie sehr ist in den letzten Monaten im Blick auf Politik und Gesellschaft in unserem Land von einem notwendigen Neustart die Rede. Und wie sehr sp\u00fcren wir angesichts der Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten, im Sudan \u2026, dass es neuer Perspektiven und Initiativen bedarf, damit wenigstens die Ahnung einer L\u00f6sung aufkeimen kann. Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist \u2026 Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch und gebe euch ein Herz von Fleisch, so verspricht Gott. (Ez 36,26) Was w\u00fcrden wir darum geben, dass diese Verhei\u00dfung wahr w\u00fcrde, angesichts der Egoismen und R\u00fccksichtslosigkeiten, die auf den verschiedenen Ebenen unseres menschlichen Zusammenlebens gang und g\u00e4be sind!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\"><br>Die Osternacht sagt uns erstens, dass wir mit den Fragen, die uns bedr\u00e4ngen, nicht allein da stehen, dass unsere Erfahrungen und Fragen aufgehoben sind in einem Horizont jahrtausendealter Erfahrung. Das ist eine heilsame Einordnung und kann uns helfen, den langen Atem zu gewinnen, den wir f\u00fcr unser Leben brauchen. Das tut gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Aber die Osternacht sagt uns noch mehr: Daf\u00fcr stehen die Schriftzeugnisse aus dem Neuen Testament: Sie bezeugen, dass Gott nicht blo\u00df der Ursprung der Welt ist und ihr geheimnisvoller, schweigender Horizont. Nein, Gott selbst ist in diese Welt eingetreten, hat \u201eFleisch angenommen\u201c, wie wir sagen, ist Mensch geworden unter uns Menschen. Er hat am \u201eeigenen Leib\u201c die Sch\u00f6nheiten und Abgr\u00fcnde des menschlichen Lebens erlebt. In Jesus Christus hat Gott sich mit uns solidarisch erkl\u00e4rt bis in den Tod. Das gibt unserem Leben eine ganz neue Qualit\u00e4t und W\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Sind wir mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden, schreibt Paulus den Christen in Rom. (R\u00f6m 6,8) Dieses Mit ist das Neue. Nach Ostern verl\u00e4uft nach christlicher \u00dcberzeugung die entscheidende Grenze nicht mehr zwischen Leben und Tod. Die entscheidende Grenze verl\u00e4uft zwischen einem Leben mit Christus und einem Leben ohne ihn. Deshalb kommt es darauf an, seine N\u00e4he zu suchen. Plastische ausgedr\u00fcckt: Es kommt darauf an, die Hand, die Gott uns in Christus entgegenstreckt, zu ergreifen, um mit Christus zu sein. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">In wunderbarer Weise finde ich dies auf den Osterbildern der Ostkirche dargestellt. Unsere Osterbilder, die Osterbilder der Kirche im Westen zeigen ja in der Regel das leere Grab oder Christus, der als Sieger aus dem Grab emporschwebt, w\u00e4hrend die Umstehenden voller Staunen oder Erschrecken daneben stehen. Die Osterikonen der Ostkirche dagegen zeigen Christus, der aus dem Totenreich aufsteigt und die Tore der H\u00f6lle mit F\u00fc\u00dfen tritt. Oft sieht man, dass Christus nicht allein aus dem Dunkel des Totenreichs kommt, sondern zusammen mit sich die Verstorbenen herausf\u00fchrt, ja sie regelrecht an der Hand herauszieht, so dass sich von Hand zu Hand eine Menschenkette bildet. F\u00fcr mich ist das ein sehr ber\u00fchrendes Bild f\u00fcr das Mit-Christus-Sein und das Mit-einander-Sein, das<br>von Ostern ausgeht. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Die Ordensfrau und Schriftstellerin Kyrilla Spiecker (1916-2008) hat das einmal so formuliert:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Wir leben im Schlepptau\/ Deiner Vollendung\/<br>Wenn wir Deine Hand greifen\/<br>Wenn wir dem [N\u00e4chsten] die Hand reichen\/<br>W\u00e4chst eine Kette\/ Ins Ostern<br>Die Kette muss halten\/ bis auch der Letztgeborene\/ am j\u00fcngsten Tag\/ endg\u00fcltig ankommt\/ Im<br>Ostern\/ Dir nach<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Liebe Schwestern und Br\u00fcder, lassen wir uns vom Auferstandenen ins Schlepptau nehmen. Ergreifen wir seine Hand, damit er uns aus dem Dunkel und Zwielicht dieser Welt ins Licht von Ostern f\u00fchrt.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\">Amen.<\/p>\n\n\n\n<p>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">(Quelle: Bisch\u00f6fliches Generalvikariat, Stabsstelle Kommunikation, Bistum Trier)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Osternacht, 5. April 2026 Die Osternacht ist eine einzigartige Feier. Sie verliert, so oft man sie auch feiert, nichts von ihrer Faszination. Woran liegt das? Ich glaube, es liegt daran, dass uns diese Nachtfeier auf eine sehr eindr\u00fcckliche Weise in Ber\u00fchrung bringt mit elementaren Dimensionen unseres Lebens: Mit Licht und Dunkelheit, mit Musik, Gesang und Stille, mit Feuer und Wasser, mit Brot und Wein \u2026 Uns Menschen des digitalen Zeitalters tut es gut, uns diesen urt\u00fcmlichen Elementen hin und wieder ganz bewusst auszusetzen. Zum Ereignis dieser Nacht geh\u00f6ren auch ganz wesentlich die biblischen Lesungen, die wir h\u00f6ren. Auch f\u00fcr die Lesungen gilt: Es sind Texte, die sich \u00fcber die Jahrtausende nicht abgenutzt haben. 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