Lichterfeier mit Gesängen und Impulsen aus Taizè am 19. März 2021

Nachdem der erste Anlauf im Januar gescheitert war, hat es im zweiten Anlauf funktioniert. Und wie! Kreatives Organisationstalent war in diesen Zeiten gefragt, um einen solchen Abend auf die Beine zu stellen und zahlreiche E Mails, WhatsApp’s und Telefonate notwendig, um die Vorbereitungen coronakonform abzuwickeln. Engagierte junge Erwachsene trugen ihre eigenen Gedanken und Sorgen in den Fürbitten vor, die viele Facetten des Lebens beleuchteten. Themen wie Klimaschutz, Krankheit und Tod, Einsamkeit, Jobverlust bis hin zum Umgang mit deinem Nächsten verliehen den Fürbitten eine sehr persönliche Bedeutung.

Die für Taizé charakteristischen meditativen und berührenden Gesänge wurden durch unsere kleine Gesangs- und Musikgruppe dargeboten, die uns mit ihren Interpretationen verzauberte. Dazu die Momente und Zeiten der Stille, um zu sich selbst zu finden, vielleicht etwas ungewohnt, aber in dieser Zeit Balsam für die Seele. Umrahmt wurde das Ganze durch die liebevolle und stimmungsvolle Dekoration, die unserer Kirche mit hunderten von Kerzen und Tüchern in eine besinnliche Atmosphäre tauchte und alle Besucher begeisterte.

Der Schrifttext aus dem ersten Johannesbrief 4, 11-18, wurde einfühlsam in deutscher und anschließend in französischer und englischer Sprache vorgetragen und entfaltete so eine offene und nicht ausgrenzende Wirkkraft auf die Zuhörer.

Ihre Gedanken zum Bibeltext (s.oben), der den Umgang mit der Liebe Gottes zum Inhalt hatte, trug die aus Mayschoß stammende Gemeindereferentin Britta Mies mit zeitgemäßen, modernen Impulsen versehen, vor. Es wurde sich dem Thema kritisch genähert. Denn: Immer nur liebende Gedanken können wir Menschen doch gar nicht haben unseren Mitmenschen, Gott und uns selbst gegenüber, oder? Hier wurde die Theorie der „Toxischen Positivität“ näher beleuchtet, wo es um die Wichtigkeit geht, den ungewünschten Emotionen, wie zum Beispiel der Trauer genügend Raum zu schenken und Traurigkeit und Klage, aber auch das „Unzufrieden sein“ als etwas Normales und zum Leben Dazugehöriges zuzulassen und nicht abzuspalten oder zu verdrängen.

Wenn der Mensch in diesem Bereich eine gute Balance gefunden hat, wie kann er die Liebe, die im Schrifttext beschrieben wird, empfangen und weitergeben? Die Liebe als kostbares Gut, in deren Umfeld unser Herz im Spiel ist und damit unser Innerstes sich preisgibt. Sie zu zeigen erfordert Mut. An dieser Stelle zitierte die Vortragende einen Liedtext von Alexa Feser, die sich auf poetische Art und Weise mit dieser Thematik auseinandersetzte. (https://www.youtube.com/watch?v=pbPsAnlIY-4). Ängste vor Verletzungen, Spott und Ausnutzung müssen überwunden werden. Liebe zu verschenken und zu empfangen braucht Mut! „Wenn die Liebe Gottes in mir die treibende Kraft ist“, so Britta M., „dann soll ich Liebe weitergeben. Dann soll das, was ich tue, von dieser Liebe getragen und eingefärbt sein. Das, was ich tue, werde ich dann eben ein kleines bisschen anders tun, als wenn unser Gott uns nicht zur Liebe angestiftet hätte. Nächstenliebe ist dann nicht eine bestimmte Tätigkeit – Nächstenliebe ist dann die Art und Weise, wie ich mein Leben führe, meinen Beruf ausübe und andere Dinge tue.“

Auszug aus dem Lied MUT – von Alexa Feser
Mut ist, wenn du mit der Angst tanzt
Das was du nicht ganz kannst, trotzdem versuchst
Mut ist, wenn du wieder aufstehst
Pflaster auf die Haut klebst und weiter suchst
Mut ist ein „Ja“ in schwieriger Zeit
Sich zu entscheiden ganz ohne Sicherheit
Auf der Bühne zu stehen
Das Herz zu entkleiden
Das zersplitterte Ich hinter den Worten zu zeigen
Mut ist, wenn du mit der Angst tanzt
Das was du nicht ganz kannst, trotzdem versuchst
Mut ist, wenn du wieder aufstehst
Pflaster auf die Haut klebst und weiter suchst
Mut geht auf die Barrikaden
Mut lässt sich nicht sagen
„Das schaffst Du nicht“
Mut ist mehr als ein Gedanke
Mut ist, wenn die Schranke im Kopf zerbricht

Dieser Abend war ein Lichtblick für uns nach den Nachrichten Anfang der Woche aus Rom und den Ereignissen im Bistum Köln. Wie weit haben sich Teile der Kirche von den Menschen und der Lebenswirklichkeit entfernt? Ein weiterer Schritt zur Selbstzerstörung! Ist das die Offenheit und die Nächstenliebe, die Jesus uns vorgelebt hat?

Vielen Dank an Alle, die uns an diesem Abend durch Ihr Mittun unterstützt haben, aber auch an die Besucher, die sich auf diese etwas andere Form des Gottesdienstes eingelassen haben.

Maria und Guido Cramer, Karlheinz Frings

Für Impressionen von dem Abend, klickt bitte auf das nachfolgende Video: